11. April 2012 | Kategorie: Allgemein
Autor: Fischer

Schöner Artikel in der ZEITKUNST erschienen!

Hoch oben, im 14. Stockwerk des Frankfurter Main-Forums, läßt Cedric Nunn den Blick über die Stadtsilhouette schweifen. Vor 29 Jahren, 1983, war er zuletzt in Frankfurt gewesen. Das war, nachdem gerade seine erste Gruppenausstellung eröffnet worden war: „Nicht Wir Uns Trennen“. Jetzt ist er, von Johannesburgüber Goch am Niederrhein anreisend, wieder hier. Am Vorabend ist in Goch seine erste Retrospektive mit 125 Fotografien aus drei Jahrzehnten eröffnet worden. Nun wird er im Tower der IG Metall der einzigeanwesende Künstler sein, wenn die Ausstellung „Südafrikanische Fotografie 1950-2010“ ihren Auftakt hat. 20 Fotografen zeigen von Apartheid (1950-1976) über Kampf (1976-1994) bis Freiheit (1994-2010) das soziale, politische und kulturelle Leben und den Kampf ums Überleben der schwarzen Bevölkerung in Südafrika. Von Cedric Nunn wird etwa die 1987 in Mpophomeni, einem Ort im Norden seiner Heimatprovinz KwaZulu-Natal, entstandene Fotografie „Begräbnis von zwei Jugendlichen, die im Natal-Krieg entführt und getötet wurden“ gezeigt. Zwischen zwei Särgen steht im Altarraum mit ausgebreiteten Armen ein junger Schwarzer und singt das Trauerlied. Die rechts und links des Kreuzes angebrachten Banner mit dem Aufruf „Stop the Killings!!“ verdeutlichen die gesellschaftspolitische Brisanz dieses feinsinnig festgehaltenen Moments der Totenfeier. Stephan Mann, Direktor des Museum Goch, und Ralf-P. Seippel, der seit 1996 als erster Europäer in Downtown Johannesbur eine Galerie für zeitgenössische Kunst eröffnete, sind die Kuratoren der Schau, die auf Betreiben von Berthold Huber, des ersten Vorsitzenden der IG Metall, zustande gekommen ist. Auch die Retrospektive Cedric Nunns haben sie zusammengestellt. Sieben Stationen in Südafrika, Deutschland, den USA und Mosambik liegen noch vor dem feinfühligen, engagierten Künstler. Gering erscheint die von ihm selbst getroffene Auswahl von 125 Fotografien im Verhältnis zu dem ca. 120 000 Negative und 5000 Abzüge umfassenden Archiv, das im hügeligen Inland Südafrikas, im Byrne Valley am Minerva Naturreservat von Kwa- Zulu-Natal, unmittelbar seinem Wohnbereich angegliedert ist. Gut anderthalb Stunden sind es zu der am Indischen Ozean liegenden 2-Millionen-Metropole Durban, die heute als Top-Reiseziel angepriesen wird, wenn es um die Verbindung von Badeurlaub, Shopping und Kultur geht. Von diesem Mainstream-Rummel ist in Cedric Nunns Fotografien nichts zu sehen. Sein Fokus liegt stets auf dem sozialen Leben in Südafrika. In den Großstädten entstehen Aufnahmen wie das im Jahr 2000 in Johannesburg fotografierte Hochformat: Es zeigt drei dem Betrachter abgewandte Kinder, wie sie einträchtig auf eine große, schon von vielen anderen Kindern bemalte Tafel zeichnen, die als Teil eines Kinder-Street-Art-Projekts aufgestellt wurde. Dahinter ragt trist der monolithisch wirkende Block des großen Verwaltungsgebäudes des Transportwesens Johannesburgs auf. Cedric Nunn stammt aus einer der ältesten Familien des Landes. Seine Schulzeit endete mit 15 Jahren. Acht Jahre arbeitete er in einer Zuckerrohrplantage, schnell realisierend, dass dieses Unternehmen als Mikrokosmos perfekt die desolate Funktionsweise seines Landes widerspiegelte. Er schloss sich der Arbeiterbewegung an, wollte auf die Missstände seines Landes aufmerksam machen und entdeckte die Kamera als sein Medium. Peter McKenzie führte ihn in die Fotografie ein, über ihn lernte er den Fotografen, Künstler und Aktivisten Omar Badsha kennen. Er stieg bei Afrapix mit ein, jenem 1982 von Badsha gegründeten, unabhängigen Fotografen- Kollektiv. Bis heute liefert Cedric Nunn, 1957 in Nongoma, KwaZulu-Natal geboren, in ästhetisch anspruchsvollen, oftmals poetisch anmutenden Kompositionen ein umfassendes Bild der Lebenswelten der schwarzen Bevölkerung. Zu Recht gehört er zu den großen Entdeckungen der mittleren Generation im Bereich südafrikanischer Fotografie. (Dr. Christiane Morsbach)

Cedric Nunn –

Call and Response

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Museum Goch

Kastellstr. 9

47574 Goch

Di-Fr 10-17 h, Sa-So 11-17 h

www.museum-goch.de

bis 10.6.

Südafrikanische Fotografie

1950-2010

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Main-Forum der IG Metall

Wilhelm-Leuschner-Str. 79

60329 Frankfurt

Mo-Fr 9-18 h, Sa/So n. Ver.

bis 4.5.

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